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Optimierung: The Guardian - "You are probably wrong about almost everything"

The Guardian unterhält einen interessanten Bereich, der sich rein um den Daten Journalismus dreht. Dort ist vor kurzem ein Artikel veröffentlicht worden, in der mir eine neue Verwendung von Balkendiagrammen untergekommen ist.

Der Artikel dreht sich inhaltlich darum, wie weit die Schätzung von innerpolitischen Fakten von der eigentlichen Realität abweicht. Der erste Gedanke wäre, die Schätzung als Balken, und separat die absolute Differenz zwischen Schätzung und Realität darzustellen (Beispiel hier). Der Guardian ist einen anderen Weg gegangen - und macht es dem Leser unnötig schwer...

 Bild: The Guardian

Bild: The Guardian

Die Summe der sichtbaren Balken ergeben den Average Guess, die Schätzung. Diese ist im Diagramm nur als graue Zahl am rechten Balkenrand sichtbar. Der hellblaue Actual Balken ist die Realität, und die Differenz zwischen beiden Werten wird durch den dunkelblauen Balken dargestellt. Prinzipiell ist der Ansatz löblich, hier will man viele Informationen (drei) in einer Zeile unterbringen. Im obigen Beispiel funktioniert das auch recht gut, ist aber nicht sehr intuitiv. Das Auge wandert immer wieder zur Legende, um zu validieren, was welcher Balken denn noch einmal darstellen sollte. Will man das gelernte aber direkt im nächsten Diagramm anwenden, fängt man wieder von vorne an.

  Bild: The Guardian

Bild: The Guardian

Durch die nötige Darstellung von negativen Differenzen, sind auf einmal die dunkelblauen Differenzbalken direkt an der vertikalen Achse, und nicht mehr, wie im ersten Diagramm, rechts vom Actual Balken und lässt die Kategoriebeschriftung "kippen", was eine deutliche Unruhe generiert. Durch das Ändern der Reihenfolge und missachten der erlernten (und aufgezwungenen) Logik, sollte sich diese Darstellung der drei Werte eigentlich sofort disqualifizieren. Die Average Guess Werte am rechten Ende der Balken, die im ersten Beispiel clever die Summe der beiden Balken ergaben, sind in diesem Fall völlig fehl am Platz. Die Darstellung führt dazu, dass Frankreich mit 49% rechts von Deutschland mit 58% landet! 

Mein Vorschlag zur Optimierung wäre eine um eine Abweichungsspalte erweiterte Tabelle. Diese Darstellung ist zwar nicht so chic wie die vom Guardian gewählte Visualisierung, verlangt aber vom Leser nicht das Neuinterpretieren von Balkendiagrammen ab. Außerdem stellt die optimierte Tabelle die Differenz heraus, was ja auch die eigentliche Aussage des Artikels sein soll. Nämlich, wie weit man bei so ziemlich Allem daneben liegt.