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Informationsvermittler gegen Entertainer - Stephen Few kritisiert David McCandless

Aktuell treffen zwei Welten aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Auf der einen Seite Stephen Few, der seit über 30 Jahren für Visualisierungen steht, die Botschaften in einer klaren, nüchternen und effektiven Form präsentieren, und auf der anderen Seite David McCandless, der eher als Entertainer zu sehen ist, weil er seine Infografiken in einer attraktiven, künstlerischen und gerade zu poppigen Art erstellt. Letzteres ruft natürlich den "Informationsvermittler" auf den Plan. Der Grund? David McCandless wurde von Alberto Cairo für eine öffentliche Vorlesung an der Uni Miami eingeladen.

More than anyone else working in data visualization today, McCandless has influenced people to design data visualizations in ways that are eye-catching but difficult to read and often inaccurate. Also more than anyone else, when my readers and students talk about the challenges that they face in the workplace because their bosses and clients expect eye-candy rather than useful information effectively displayed, they identify McCandless as the source of this problem.
— Stephen Few

Im Kern hat Stephen Few natürlich recht. Die Kernaussage jeglicher Visualisierung muss verständlich, akkurat und nützlich sein. Es ist ein Problem, wenn Kunden und Entscheidungsträger eher unterhaltsame und augenschmeichelnde Visualisierungen einfordern, als Fundierte und Effektive.

Aber die Visualisierungen von David McCandless sind eher moderne Kunst - oder Unterhaltung. Ich würde niemals seine Grafiken als Grundlage für kritische Entscheidungen heranziehen. Wer das macht, ist falsch beraten. Dafür generiert er, wie auch von Stephen Few kritisiert, zu viele Ungenauigkeiten, Rauschen und Ablenkungen in seinen Werken. Und genau so sollte man auch seine Bücher und Arbeit einordnen.

Diese zwei unterschiedlichen Sichtweisen, Informieren auf der einen Seite und Unterhalten auf der Anderen, sollten sich ergänzen und inspirieren, sie werden aber niemals zu einander finden.

Source: http://www.perceptualedge.com/blog/?p=2154